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Es war einmal...Aufgetakelt Ich bin ja in Hessen aufgewachsen und da hat man mit Segeln ungefähr so viel zu tun wie ein Rechtsmediziner mit Patientengesprächen. Klar, es gibt den Main und den Rhein, da liegen auch Boote, aber auf dem Meer zu segeln ist immer noch was anderes. Eine Urlaubsreise ans Meer dauerte damals mit dem Auto sechs Stunden. Einfach mal so am Wochenende an die Nord- oder Ostsee zu fahren, war undenkbar. Nun wohne ich in Hamburg und alles ist anders. In einer guten Stunde ist man am Wasser und wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich mal segeln würde, wäre ein kehliges Auflachen die Antwort gewesen. Mein Mann ist in Helgoland geboren und groß geworden und was will man da machen außer segeln? Eben. Diese Leidenschaft ist geblieben und ich musste notgedrungen mitmachen. Zuerst notgedrungen, mit der Zeit wurde es ja besser. Die ersten fünfzig Mal auf einem Boot habe ich meist liegend verbracht - nachdem ich mich übergeben hatte. Seekrank zu sein ist entsetzlich. Dazu kam, dass ich schreckliche Angst vor allem hatte: davor, ins Wasser fallen zu können, vor den Anlegemanövern (ganz schlimm, wenn man vorn am Bug steht und im richtigen Moment auf den Steg springen muss), ich hatte Angst davor, nicht wieder an Bord zu kommen, weil das Wasser gestiegen war und man geschätzte drei Meter zu überwinden hatte. Nach und nach wurde es aber besser. Die Seekrankheit ging vorbei und mit dem Anlegen... na ja. Am blödesten fand und finde ich diese ganzen Menschen, die schon fest in ihrer Box liegen, wenn man gerade reinfährt und einen Platz sucht. Sie beobachten einen mit einer Mischung aus Arroganz und Erleichterung, weil sie ja schon festgemacht haben und hoffen innerlich, dass irgendwas passiert. Also dass man an einen Holzpfahl knallt oder gegen den Steg, dass man beginnt, sich während des Anlegemanövers zu streiten oder ausrutscht und aufs Steißbein knallt. Noch schlimmer sind die Helfer, die am Steg stehen und Leinen annehmen. Männer jenseits der sechzig fangen mit Belehrungen an, weil sie natürlich alles besser wissen, und einmal - wir mussten unter extrem undankbaren Bedingungen wegen Sturm und starkem Seitenwind anlegen - sagte doch tatsächlich eine Frau vom Nachbarboot zu mir, nachdem ich meinte, ich könne das mit dem Anlegen noch nicht so gut: "Das müssen Sie aber doch lernen." In so einem Lehrerinnentonfall. Ich antwortete damals nur: "Sicher. Aber ganz bestimmt nicht jetzt." Und sie war beleidigt. Segler sind ein Völkchen für sich. Jeder findet sein Boot am besten und schönsten, jeder hat irgendwelche Geschichten zu erzählen - und in irgendeiner Form sind sie ja aufeinander angewiesen und müssen miteinander klarkommen. Wenn man nebeneinander in Boxen liegt, ist man oftmals nur einen Meter voneinander entfernt. Das ist intimer als auf einem Campingplatz. Und natürlich schöner. Jedenfalls habe ich ziemlich viel erlebt und dann bin ich auf die Idee gekommen, ein Buch drüber zu schreiben. Aufgetakelt ist zu 90% auf einem Boot entstanden. Leute wie Doris und Werner, das Ausbeuterpärchen aus Flensburg, gibt es tatsächlich. Und natürlich gibt es auch Frauen wie Britta, die erst gar nichts können und dann ganz viel. Björns gibt es bestimmt auch, nur wo? Mit Hafenmeistern sollte man sich besser nicht anlegen und auch nicht mit seinen direkten Bootsnachbarn. Da ich von Natur aus ein Schussel bin und ein Bewegungslegastheniker, konnte ich natürlich diese ganzen Geschichten, die mir passiert sind, in Aufgetakelt unterbringen. Und ich konnte die ganzen herrlichen schrägen Figuren, denen man in diversen Häfen begegnet, miteinander lachen und weinen lassen. Aber es sollte natürlich auch Liebe mit rein. Und ein kleines bisschen Emanzipation (obwohl ich ganz sicher keine Emanze bin). Deswegen lasse ich Britta zu Höchstform auflaufen und Andreas ... nun ja, das sollte man selbst lesen. Aufgetakelt zu schreiben hat mir riesigen Spaß bereitet - es war einfach herrlich, auf dem Boot zu sitzen, den Laptop vor und den Gin Tonic neben sich. Und so ein Sonnenuntergang, wenn man im Hafen draußen sitzt, hat was. Ehrlich. Auch wenn man gar nicht gut segeln kann. |
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Impressum © 2012 Steffi von Wolff |